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Travemünde
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06.02.2012, 05:52 Uhr
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über Travemünde

Geschichte

1187 Travemünde wird gegründet von Graf Adolf III. von Schauenburg und Holstein. Travemünde bestand zuvor nur aus einer Burg.
1235 Bau der ersten Kirche.
1329 Lübeck kauft Travemünde für 1060 lübsche Mark.
1464 Durch den Molenbau wird das Versanden der Trave verhindert.
1539 Bau des ersten Leuchtturms von Holländischen Maurern mit einer Höhe von 39 Metern. Ein Blitz zerstörte diesen aber 1827.
1629 Eine verheerende Pest wütet.
1802 wird Travemünde als 3. Ort Deutschlands Seebad.
1824 Von Lübeck nach Travemünde fährt der erste Dampfer.
1825 öffnet die erste, bis 1872 bestehende Spielbank.
1829 Der Leuchtturm wird ausgebaut.
1831 besteht ein regelmäßiger Liniendienst nach St. Petersburg, Riga und Reval.
1872 Eine fatale Sturmflut zerstört die meisten Häuser Travemündes.
1879 wird mit dem Bau der Seebadeanstalt begonnen.
1889 Segler treffen sich zur "1. Travemünder Woche".
1908 Travemünde erhält eine Strandpromenade.
1949 Wiederaufnahme des Fremdenverkehrs, gleichzeitig öffnet das Casino.
1953 Die Travemünder bauen die Passagier-Schiffsverbindung in die skandinavischen Länder auf und erweitern sie Jahr für Jahr.
1957 ernennt der Innenminister des Landes Schleswig-Holstein Travemünde zum "Seeheilbad".
1960 macht mit der "Passat" der letzte große deutsche Windjammer für immer auf dem Priwall als Begegnungsstätte für junge
Menschen und als neues Wahrzeichen fest.
1962 Der Skandinavienkai wird gebaut.
1974 öffnet des Strandbad-Centrum mit drei Meerwasser-Schwimmbädern, das spätere Aqua-Top. Die Strandpromenade wird
erneuert.
1974 Ablösung des Leuchtturms durch ein neues Leuchtfeuer auf dem Maritim. Höhe: 114 m, Sichtweite: 18 sm (33 km)
1989 startet die 100. Travemünder Woche.
2002 feiert Travemünde 200 Jahre Seebad.
2003 wird das Aqua Top geschlossen.
2006 Der Skandinavienkai wird komplett umgestaltet und erweitert.

 

Geografie

Lübeck-Travemünde liegt etwa 20 Kilometer entfernt vom Lübecker Zentrum. Der größte Teil des Stadtteils liegt westlich der Trave. Die an der Mündung in die Ostsee gelegene Halbinsel Priwall auf dem Ostufer gehört ebenfalls zu Travemünde.

Das Gebiet des Stadtteils ist 41,3 Quadratkilometer groß. 2004 lebten 13.902 Einwohner in Travemünde, also 337 Einwohner je Quadratkilometer. Die meisten Bewohner leben in den Stadtbezirken Alt-Travemünde/Rönnau. In den drei weiteren Dörfern, die zum Stadtteil gehören, leben nur jeweils zwischen 100 und 300 Einwohner. Im Gegensatz zur Statistik der Stadt Lübeck, die einen Bevölkerungsverlust aufwies, nahm die Einwohnerzahl Travemündes von 1993 bis 2003 deutlich zu.

 

 

Bedeutende Bauwerke

Alter Leuchtturm

1539 wurde der Leuchtturm von holländischen Maurern aus Ziegelsteinen erbaut. Er ist rund 30 Meter hoch und besteht aus sechs Geschossen, die jeweils im Durchmesser abnehmen. 1827 wurde er von einem Blitz getroffen, wobei die Spitze völlig abbrannte. 1903 wurde das Leuchtfeuer auf elektrisches Licht umgestellt. Deutschlands dienstältester Leuchtturm stellte 1972 den Betrieb ein, weil die Sicht durch den Neubau eines Hochhauses verdeckt wurde.

Spielcasino

Das Gebäude wurde 1913/14 als „Städtischer Kursaal“ bzw. „Konversationshaus“ erbaut. Das Casino Travemünde an der eleganten Kaiserallee im Jugendstil ist eines der traditionsreichsten in Deutschland. Im Jahr 1949 wurde das Spielcasino mit einer zunächst auf zehn Jahre befristeten Lizenz eröffnet.

Strandpromenade

Heute befindet sich hier die architektonisch wohl eindrucksvollste Strandpromenade an der deutschen Küste mit dem breiten Sandstrand der Ostsee. Sie wurde 1904 eingeweiht. Die besondere Atmosphäre ergibt sich durch die großzügigen Dimensionen und den Blick auf den Badebetrieb und den internationalen Fährverkehr. Der feinsandige Sandstrand ist 4,5 km lang, 1700 Strandkörbe sind verfügbar. Die Strandpromenade geht über in die urige Kulisse des Brodtener Steilufers.

Strandbahnhof

Der Endbahnhof der Bahnstrecke wurde 1911-1913 von dem Architekten Fritz Klingholz im Jugendstil als Ersatz für einen hölzernen Vorgänger erbaut. 2006 wurde er aufwändig für fast 2,3 Millionen Euro restauriert. Als Besonderheit weist er einen Uhrenturm mit bis zum Strand hin sichtbarer Anzeige der nächsten Zugabfahrt auf.

Hafenbahnhof

Das jetzige Gebäude wurde 1913/14 ebenfalls nach den Plänen des Architekten Fritz Klingholz errichtet. Der Vorgänger wurde bereits mit der Eröffnung der Lübeck-Travemünder Eisenbahnlinie im Jahre 1882 fertiggestellt. Auf Wunsch der Eisenbahngesellschaft baute die Stadt eine Verbindungsstraße zwischen Hafenbahnhof und den Schiffsanlegern an der Vorderreihe, die den Namen Rose erhielt. 1996 wurde das Bahnhofsgebäude verkauft und wird heute als Restaurant genutzt.

Persönlichkeiten

Literarisch hat der Lübecker Nobelpreisträger Thomas Mann in den Buddenbrooks den Badeurlaub und Seebadbetrieb des 19. Jahrhunderts festgehalten. Aber auch Maler wie Edvard Munch, Gotthardt Kuehl, Ulrich Hübner und Erich Dummer ließen sich vom sommerlichen Leben im Seebad und Yachthafen thematisch fesseln. Ihre Gemälde sind im Lübecker Kunstmuseum Behnhaus ausgestellt und zeugen dort von Travemündes vergangenen Zeiten.


Touristische Attraktionen eines alten Seebades

Travemünde entwickelte sich ursprünglich aus einer Fischer- und Lotsensiedlung und ist seit 1802 eines der ältesten und traditionsreichsten deutschen Seebäder. Heute befindet sich hier an der architektonisch wohl eindrucksvollsten Strandpromenade an der deutschen Küste mit den breiten Sandstränden der Ostsee ein über Jahrzehnte gewachsener Schwerpunkt des Fremdenverkehrs mit entsprechender Infrastruktur wie vielfältigen Sport- und Freizeitangeboten.

In der Altstadt von Travemünde rund um die St.-Lorenz-Kirche (1557, mit einer Orgel von Stellwagen) und am Ostpreußenkai hat sich der Charme des ursprünglichen Fischerdorfes erhalten und auch heute noch kann man im Fischereihafen den fangfrischen Fisch direkt vom Boot kaufen. Dieser Teil Alt-Travemündes vor dem Anleger der Priwall-Fähren gegenüber der alten Lübecker Vogtei im Stil der Backsteinrenaissance strahlt ein für ein Seebad schon urbanes Ambiente aus.

Zwischen Kaiserallee und Steenkamp haben die Stadtplaner sich einen Scherz im Straßenbild erlaubt: Die Straßen Backbord, Steuerbord, Mittschiffs und Achterdeck sind so angeordnet, dass der Straßenverlauf das Bild eines Schiffs auf den Stadtplan zeichnet. Dieses "Schiff" im Stadtplan hat sogar ein Fallreep, mit dem es an der Kaiserallee angelegt ist. Zu diesem Schiffsthema gehören außerdem noch die Straßen "Im Beiboot" und "Am Heck".

Alljährlich im Sommer findet unter Federführung des Lübecker Yacht Clubs (LYC) vom Leuchtenfeld aus die Travemünder Woche statt, ähnlich der Kieler Woche. Die Windjammer treffen sich in Travemünde jährlich zur Baltic Sail. Als sommerlicher Tourismusmagnet hat sich auch das Sandskulpturen-Festival Sand World etabliert, das 2006 bereits zum fünften mal am Priwall-Strand in Travemünde stattfand.

Zu Travemünde gehört auch das Brodtener Ufer, eine eindrucksvolle, bis zu 20 Meter hohe Steilküste von etwa 4 km Länge bis zum Nachbarort Niendorf, mit dem dahinterliegenden Golfplatz, der zu den ältesten in Deutschland gehört. Im unmittelbaren Hinterland Travemündes liegt der Hemmelsdorfer See, eigentlich eine von der Ostsee abgeschnittene Förde, in der einstmals Napoleon einen geschützten Kriegshafen für sein Riesenreich anlegen lassen wollte.

Das Travemünder Casino an der eleganten Kaiserallee mit der Bäderarchitektur der Jahrhundertwende ist eines der traditionsreichsten in Deutschland. Im Hafen von Travemünde liegt umgeben von hunderten von Segelyachten die Viermastbark Passat als Museumsschiff und Wahrzeichen. Die Passat zählte einst zu den legendären Flying-P-Linern der Hamburger Reederei Laeisz. Sie ist das Schwesterschiff des vor Manhattan liegenden Museumsschiffs Peking und verwandt mit der im Atlantik gesunkenen Pamir, an die das Wrack eines ihrer Rettungsboote in der St. Jakobikirche am Koberg in Lübeck erinnert.

Travemünde hat mit 117 m ü. NN das höchste Leuchtfeuer Europas. Dies ist auf dem Maritim angebracht und ersetzt seit 1974 den alten Travemünder Leuchtturm von 1539, der als Museum besichtigt werden kann.

Das ortsbildprägende Kurhaus-Hotel am Kalvarienberg ist renoviert und umgebaut und ist als Arosa Ressort neu eröffnet. In seinem Inneren finden sich noch Ausstattungsmerkmale des eingeschossigen Vorgängerbaus (1820), geschaffen von dem klassizistischen Innenarchitekten Joseph Christian Lillie.

Fährverkehr nach Skandinavien

Gleichzeitig ist Travemünde mit dem Skandinavienkai einer der bedeutendsten deutschen Fährhäfen für den Verkehr mit Skandinavien (Malmö, Trelleborg, Oslo, Göteborg), fast allen Häfen Finnlands, dem Baltikum und Russland (St. Petersburg und Baltijsk).

Eisenbahn

Von Hamburg und Lübeck ist die Stadt über die Travemünder Bahn mit Zügen des Regionalverkehrs mit den Bahnhöfen Lübeck-Travemünde-Skandinavienkai (am Anleger der Skandinavienfähren),Lübeck-Travemünde-Hafen (die Altstadt) und Lübeck-Travemünde-Strand (direkt an der Standpromenade und dem Kurhaus), verbunden, die von der DB Regio AG bedient werden.

 

Busverkehr

Mit Lübeck bestehen Busverbindungen des Stadtverkehrs Lübeck.

Flugverkehr

Der nächste Flughafen ist der Flughafen Lübeck in Lübeck-Blankensee.

Straßen und Stadtfähren

Travemünde ist über die A 1/A 226 und die autobahnähnlich ausgebaute Bundesstraße 75 erreichbar. Mit den Bädern der Lübecker Bucht und der Holsteinischen Schweiz verbindet die "Bäderstraße" B 76. Zwischen der rechts der Trave an Mecklenburg gelegenen Halbinsel Priwall und dem Zentrum von Travemünde verkehrt eine kombinierte Personen- und Autofähre, vom alten Leuchturm außerdem noch eine Personenfähre.

Literatur

Thorsten Albrecht: Travemünde. (Kleine Hefte zur Stadtgeschichte, hrsg. vom Archiv der Hansestadt Lübeck, Heft 19) Lübeck 2005. ISBN 3795031184